Der älteste Gegenstand der Germeter Pfarrkirche St. Nikolaus ist am Samstag feierlich von Pastor i.R. Alfons Weskamp gesegnet worden.

Es handelt sich um ein Altarkreuz, das in Teilen aus dem 12. Jahrhundert stammt. Es war zuletzt aufwendig saniert worden. Dabei haben die Experten eine kleine Sensation entdeckt: Im Korpus befinden sich Reliquien.

Das mehr als einen Meter hohe Holzkreuz mit der Figur des Heilands steht schon seit Menschengedenken in der Germeter Pfarrkirche. Es dürfte in Teilen sogar älter als die Kirche selbst sein, die aus dem 13. Jahrhundert stammt und 1780 sowie 1970/1971 bis auf den Turm zweimal neu gebaut wurde. Wann das Kreuz nach Germete kam, ist nicht mehr bekannt. Zunächst hatte es unterschiedliche Standorte im Gotteshaus, seit der Sanierung im Jahr 2003 befindet sich sein Platz am Gabentisch vor dem Eingang zur Sakristei.

Doch das Eichenholzkreuz war im Laufe der Jahrhunderte unansehnlich geworden. Auf Anregung von Josef Hoppe wurde es schließlich zu Restaurator Raphael Strauch nach Helmern gebracht. Der Experte beseitigte Schmutz und alte graue Farbreste, so dass das Eichenholz jetzt wieder seine Urform hat. Die Kosten von wohl mehreren Tausend Euro werden das Erzbistum und die Germeter Kirchengemeinde übernehmen.

Bei dieser Arbeit wurde auch die Jesus-Figur, die ebenfalls aus Eichenholz besteht, abgenommen und von Experten genau untersucht. Das Ergebnis verblüffte Kunsthistoriker wie auch den Germeter Kirchenvorstand gleichermaßen: Im Inneren der Figur befinden sich Reliquien. Von welchem Heiligen sie stammen, ist nicht bekannt. „Durch den Besitz einer solchen Christusfigur mit Reliquien wurde in der damaligen Zeit einer christlichen Gemeinde große Wertschätzung entgegen gebracht“, berichtete Elfriede Fuest vom Kirchenvorstand am Samstag beim Patronatsfest der St.-Nikolaus-Gemeinde. Entdeckt wurden die Knochenreste in der Figur im Computertomographen des Paderborner Brüderkrankenhauses. Dort werden gelegentlich besonders alte oder wertvolle Gegenstände der Kirche untersucht.

Dass das Kreuz nicht sofort in den Bestand der Museen des Erzbistums gewandert ist und nun dauerhaft in Germete bleiben wird, hat ebenfalls seinen Grund. Bei der Restaurierung wurde nämlich auch entdeckt, dass nur Teile der Figur aus dem 12. Jahrhundert stammen. „Die Arme und das Kreuz selbst waren wohl beschädigt und sind Ende des 19. Jahrhunderts ersetzt worden“, berichtete Elfriede Fuest weiter. Dadurch, dass diese Arbeit nun aus unterschiedlichen Epochen stammt, besitze es auf dem Kunstmarkt keinen allzu großen Wert mehr, hieß es weiter.

Für Pastor i.R. Alfons Weskamp, der viele Jahre in Germete gewirkt hat, war es anlässlich des Patronatsfestes der St.-Nikolaus-Gemeinde eine besondere Freude, das Kreuz zu segnen. Im Anschluss nutzten viele Gemeindemitglieder die Gelegenheit, sich den historischen Kultgegenstand aus nächster Nähe anzusehen.

Bild: Pastor i.R. Alfons Weskamp hat am Samstag das restaurierte Altarkreuz gesegnet. Küster Theo Wülfinghoff (rechts) hatte den ältesten Gegenstand der Germeter Kirche zuvor enthüllt.

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